RSS und Contentklau
Es geht mir in diesem Beitrag um die aktuelle Diskussion, ob ein Volltext-Feed einem Teaser vorzuziehen ist oder ob das nicht nur eine Einladung zum Diebstahl von Inhalten ist. Jeena hat den Stein ins Rollen gebracht… (RSS Feeds – wozu verschiedene Versionen?)
An sich hätte ich das in keine-Ahnung-wievielen Blogs gleichlautend posten können, aber das ist ein super Anwendungsbeispiel für Trackback. Außerdem werde ich (wie üblich) etwas langatmiger weitschweifiger ausführlicher. Wer mit der Abkürzung RSS nichts anfangen kann, sollte sich daüber informieren.
Diebstahl?
Erstens sollte sich jeder darüber im klaren sein, dass Inhalte, die im Internet zugänglich gemacht wurden, zugänglich sind. Alles, was veröffentlicht wurde, ist verfügbar. Natürlich ist alles nur in dem Rahmen verfügbar, in dem es auch öffentlich gemacht wurde.
Daraus folgt, dass auch unabhängig von RSS Inhalte theoretisch geklaut werden können. Gerade in Zeiten semantischen Markups, welches nur mit CSS in Form gebracht wird, bringt mich der Wunsch, seine Inhalte zu verstecken etwas zum Lächeln. Erinnert ihr euch noch, wie man versucht hat, den HTML-Quelltext zu schützen oder gar zu sperren? Oder die rechte Maustaste zu blockieren, um was auch immer zu verhindern?
Insgesamt folgt daraus, dass der beste Schutz gegen Onlinepiraterie die reine Offlinepublikation ist. Es wird immer schwarze Schafe geben die sich neue Methoden ausdenken, “geschützte Inhalte” illegal weiterzuverwenden, und nebenbei kann man auch aus gedruckten Veröffentlichungen kopieren.
Das ist natürlich nur die technische Seite des Problems und eigentlich trivial. Vor diesem Hintergrund finde ich es kontraproduktiv (sofern Weblogs produktiv sind), aufgrund einzelner Menschen ohne Moral und Ethik die Masse zu benachteiligen.
Etwas besser beschreibt diesen Abspekt Alp. In Sachen RSS ist er aber sowieso eine Nenngröße.
Der vergessene Nutzer
Zweitens gibt RSS die Kontrolle an den Benutzer weiter. Die Kontrolle darüber, wie es dargestellt wird, die Kontrolle darüber, wann es gelesen wird und idealerweise auch die Kontrolle darüber, in welchem Umfang es gelesen wird.
Ich habe drüben bei Björn schon einen kleinen Kommentar abgegeben, den ich vollständigkeitshalber und Kraft eigener Arroganz und Egomanie hier mal leicht gekürzt wiedergebe:
Bei einigen Seiten bevorzuge ich das Bloglines-Design, welches meiner Meinung nach auf gute Lesbarkeit ausgelegt ist. Bei anderen Seiten, eigentlich der Mehrheit, gehe ich direkt zum fraglichen Beitrag. Dann möchte den Text im Kontext der Seite lesen (einige Designs unterstützen den Inhalte eben besser als das Bloglines-blau) [...] oder sogar einen Kommentar dazu abgeben.
Wichtig bei der Unterscheidung zwischen bei mir lesen und bei Eigentümer lesen ist auch die Art des Beitrags.
- Ist es ein Artikel oder nur ein Absatz?
- Möchte ich kommentieren oder nicht?
- Sind Bilder dabei oder nicht? (Bloglines behandelt Bilder im Text etwas stiefmütterlich. )
Im Falle der Bilder kann ich mir natürlich per User-CSS selbst helfen.
Ich lese mehr als genug Seiten, bei denen auch das Design wichtig ist. Ein gutes Beispiel dafür ist BusinessLogs. Das Design ist einfach besser für den Inhalt geeignet. Da passen der Zeilenabstand, die Farbgebung und die grafischen Extras genau zum Inhalt.
Gute Seiten besuche ich auch trotz Volltext-RSS, da dient dann RSS nur als Hinweis für mich.
Naja, da ich größtenteils Webdesign-Weblogs lese, bei denen naturgemäß die Designdetails besser ausgestaltet und an den Inhalt und den Menschen dahinter angepasst sind, ist das vielleicht nicht besonders verwunderlich.
Wer—wie zum Beispiel der PR-Blogger— nur Zusammenfassungen lesen möchte, kann theoretisch sein RSS-Leseprogramm anweisen, die Textausgabe zu kürzen. Ich habe beispielsweise einige nur manchmal interessante Quellen auf “nur Überschriften anzeigen” eingestellt. Wenn jeder eine Volltext anbieten würde, könnte ich—technische Implementierung vorausgesetzt—selber entscheiden, ob ich den kompletten Inhalt, einen Anreißer oder nur den Titel sehen will.
Und mit etwas Glück ist der Anriss im Newsreader besser als der der Weblogsoftware, dazu aber mehr weiter unten.Moe beschreibt unter anderem eine Möglichkeit, einen Volltextfeed zu kürzen (mittels Feedburner), und plädiert überraschenderweise für ungekürzte Feeds.
Soweit, so gut
Ich persönlich bevorzuge zwar—wie die meisten—Volltext-RSS, kann aber Inhalteanbieter verstehen, die Gründe dagegen finden. Begrenztes Übertragungsvolumen oder Werbeeinnahmen fallen mir da spontan ein. Wobei die Traffickosten durch Zusammenfassungen theoretisch auch nach oben schnellen können, weil jetzt alle direkt auf die Seite gehen anstatt im Newsreader zu lesen.
Zwei kleine Bitten habe ich nur an all diejenigen, die (nur) Zusammenfassungen anbieten:
- Macht das auch wirklich! Bietet echte Zusammenfassungen an!
- Und kennzeichnet das dann auch entsprechend.
Nichts wirkt auf mich unangenehmer, als ein Beitrag, der zwar immerhin angrissen ist, dessen Anriss aber mitten im Wort endet. Diese automatisch erzeugten Zusammenfassungen werden meist von der verwendeten Software aus den ersten Absätzen erstellt. Entsprechend nichtssagend und abrupt abgerissen werden sie im RSS abgelegt und weitergegeben. So manche Einleitung ist toll, wenn danach der echte Text kommt, gewaltsam auf 252 Zeichen gekürzt kann sie aber genausogut abschreckend oder uninteressant wirken.
Für den Autor selbst ist es hingegen meist ein Klacks, eine kurze und womöglich interessante Zusammenfassung zu erstellen. Diese kann man dann auch für weit mehr als nur den Newsfeed verwenden.Andersherum sollte man—zum Beispiel über das
-Tag—auch kennzeichnen, dass es sich nur um eine Zusammenfassung handelt. Gerade wenn man gute Zusammenfassungen erstellt, kann der Eindruck entstehen, dass sei schon alles. Ein kleiner Hinweis lässt sich ohne weiteres in die Vorlage einbauen. Schlussplädoyer
Die Krone der Benutzerfreundlichkeit ist natürlich, sowohl Zusammenfassungen, als auch Volltext-RSS anzubieten. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich Kategorie-RSS integrieren und sowieso mehrere XML-Dialekte bereitstellen.
Letztlich—und da lehne ich mich jetzt etwas weit aus dem Fenster—sollte der Besucher der Seite entscheiden können, was passend und richtig ist. Deshalb biete ich meine Inhalte im Volltext an. Ob mein Beitrag dann im Newsreader, im Browser, in Bloglines, nur als Zusammenfassung oder gar ausschließlich als Titelzeile den Adressaten erreicht, muss ich nicht kontrollieren.
Ich habe nicht den Drang, dem Nutzer eine bestimmte Art des Informationskonsums vorzuschreiben. Würde ich das wirklich wollen, würde ich vermutlich nur noch den RSS-Feed im Volltext anbieten und die HTML-Seiten hier abschalten.
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Es sind einfache Gestaltungsmittel für die Kommentare erlaubt. Unter anderem:
- Zeilenumbrüche und Absätze (werden automatisch erzeugt)
- Link: "wichtige Webseite":http://wichtigewebseite.de wird zu
wichtige Webseite - Kursiv (als Betonung): _kursiver Text_ wird zu
kursivem Text - Fett (als starke Hervorhebung): *Fettdruck* wird
fett gedruckt
Nochmal: Die e-mail-Adresse wird nie veröffentlicht oder weitergegeben.
Und bevor jetzt irgendeiner spitzfindig wird: Nein, Wordpress formuliert nicht automatisch eure Gramatik um.

Kommentar by René:
ob ein Leser nun via RSS oder HTML am Ende einen Text liest, ist am Ende egal. Das wichtige ist doch, daß er es liest … und aus dem Gesichtspunkt spricht nichts gegen Volltext-RSS.
Zum Thema Klau: ob aus RSS oder HTML geklaut wird, ist am Ende das gleiche. Gegen automatisierten Klau hilft vielleicht, wenn man im Text selber noch einen Autorenverweis einfügt …
aber die Idee von Zusammenfassungen ist gut (wäre ne weitere Idee für meinen RSS-Linkgenerator )
15.01.2005, 11:02
Kommentar by Moe:
Mit dem Schlussplädoyer lehnst Du Dich meiner Ansicht nach gar nicht weit aus dem Fenster, denn es ist sehr logisch. Zumindest sehe ich das auch so ;-)
15.01.2005, 15:16
Kommentar by kronn:
René, aus dem gleichen Grund biete ich neben dem Volltext-RSS-Feed weiterhin auch HTML (oder XHTML, je nachdem) an. ;-)
Hmmm, Moe, du würdest auch dein HTML abschalten und vollständig auf einen Volltext-Feed umsteigen? :-)
15.01.2005, 21:04
Kommentar by Jeena Paradies:
Das mit dem nur RSS Feed ist aber vielleicht auch gar nicht so abwegig, nur wie macht man so etwas bekannt, wenn nicht durch eine HTML Variante?
Mal sehen was die Zukunft noch bringt :-)
16.01.2005, 22:24
Trackback by einfach-persoenlich:
RSS – kostenlos oder umsonst?
Interessante Gedanken zu dem Thema RSS – Content Syndication for Free? schreibt Siegfried Hirsch in seinem Weblog RSS-Blogger. [ via Moe ] Mein Resümee aus dem Ganzen? Es macht Sinn darüber nachzudenken, wie die eigene Einstellung zu diesen F…
18.01.2005, 23:16
Pingback by design4media » Blog Archive » Trackbackfunktion nutzen:
[...] Versionen? (Jeena Paradies) RSS – Komplett-Feed versus Teaser-Feed (Einfach persönlich) RSS und Contentklau (Kronn) RSS Full Feeds reloaded (A [...]
12.05.2005, 04:40
Kommentar by Andreas Bergwien:
Hallo,
eventuell interessant für Euch bzw. passend zum Thema
http://www.contentklau.de/
^^ non commercial
Andreas
31.08.2006, 20:26
Trackback by bueltge.de [by:ltge.de]:
Erfahrungsbericht mit ©Feed
Seit einigen Wochen arbeite ich nun mit dem Plugin ©Feed und die erste Version war wirklich nur dafür gedacht, dem Feed einen Copyright-Hinweis hinzuzufügen. Im Laufe der Nutzung kamen dann zusätzliche Anforderungen hinzu und ich habe das Plugi…
10.12.2006, 22:22
Pingback by Contentklau: Die ersten Geier sind da « Angst, Adresse, Artikel, Beim, RSS-Feeds, Blogs, E-Mails, Kommentare « Notepad:
[...] Angst, dass sie kommen! Ich gebe den RSS-Feed des Blogs in gekürzter Form aus – aus Angst, dass sie kommen. Ich verstecke Wasserzeichen im Beitragstext – aus Angst, dass sie kommen. Nun ist der erste [...]
29.06.2007, 13:53